Das Werk Gottes ist keine Materialschlacht.

Er gab uns ein Buch.

Es kommt von ihm genau so wie es ist. In seiner Weisheit hat er es für gut befunden, es uns so zu geben, wie es uns vorliegt. Wir können davon ausgehen, dass es vollkommen ist, denn es kommt schließlich von ihm. Es könnte kein besseres Buch für uns geben. Es steht wirklich alles drin, was Gott uns mitteilen will, nicht mehr und nicht weniger, und das auf die bestmögliche Weise. Es ist das Buch Gottes für alle Menschen, ohne Ausnahme. Er will, dass jeder es so wie es ist in seine Hände bekommt, und anfängt darin zu lesen.

Ich liebe dieses Buch! Ich erinnere mich an die Zeit, als ich dieses Buch wirklich „entdeckt“ habe! In meiner Studentenzeit bin ich damals zu einer kleinen Gemeinde dazu gestoßen, und ich erinnere mich noch daran, wie ich das erste Mal dabei war, als sie sich wie gewohnt zum Bibellesen trafen. Sie lasen fortlaufend aus einem biblischen Buch, und dachten dann über einen Abschnitt nach und tauschten darüber aus und trugen jeder seine Beobachtungen und Einsichten bei. Sie gingen sorgfältig mit dem Wort um und schauten genau hin, und ich staunte darüber, was sich da hinter jedem Wort und Satz des geschriebenen Wortes auftat und ich den Sinn verstand. Mit einem Mal spürte ich die Gegenwart Gottes in dem, was wir lasen. Ich spürte, dass ich von Gott selbst berührt wurde, und es um die ganz wesentlichen Dinge meines Menschseins geht. Ich erkannte, dass Gott tatsächlich in diesem Buch redet, und er uns in seine Wirklichkeit einführt, eine neue Welt tat sich für mich auf. Ich verstand, dass dies das Buch Gottes ist. Ich fühlte mich zu diesem Gott hingezogen, ich war bei ihm angekommen, und es kam etwas in Gang zwischen ihm und mir, indem ich dem Licht des Wortes folgte und der Wahrheit gehorsam wurde. Mein Herz brannte, ich hatte Blut geleckt, ich wollte mehr davon! In der Folgezeit habe ich dieses Buch „gefressen“, es hatte mich gepackt, und seitdem nie mehr losgelassen. Seither bin ich wie viele andere ein „Mann des einen Buches“.

Ich wünsche jedem diese Schlüsselerfahrung auf seinem Weg, Gott zu entdecken und mit Gott zu leben! Und es ist Teil dieser Schlüsselerfahrung, dass es auch nochmal etwas ganz besonderes ist und dabei noch mehr heraus kommt, wenn man die Bibel nicht nur alleine, sondern gemeinsam mit anderen liest und miteinander teilt, was man beobachtet und versteht, und man gemeinsam erlebt, wie Gott Erkenntnis, Einsicht und Weisheit in die Gemeinschaft hinein schenkt, und uns verändert, wenn wir dem Licht folgen und das Wort tun. Es ist dann immer wieder so, wie wenn man verschiedene Puzzleteile zusammenlegt, und sich auf einmal ein klares Bild ergibt.

Wenn wir das Wort so lesen, wie er es uns gegeben hat, gehen wir auf Tuchfühlung mit Gott auf die direkteste und unmittelbarste und unverfälschteste Weise, die möglich ist! Wir sind direkt an der Quelle. Wir trinken das Wasser dort wo es am klarsten ist. Wir begegnen der Wahrheit Gottes so, wie er sie durch seine Schreiber und den Heiligen Geist hat ausdrücken lassen. Wir dürfen davon ausgehen, dass er sich etwas dabei gedacht hat! Die Wahrheiten sind uns nicht in Form eines theologischen Lehrbuchs gegeben, sondern im realen Kontext und in Gestalt der einzelnen biblischen Bücher. Wir sind herausgefordert, uns hineinzudenken und in die Wirklichkeit einzudringen, die hinter den Worten steht. Wir müssen uns darin üben, die Situation, die Ereignisse, gesprochene Worte, beteiligte Personen, den Hintergrund, den Gedankengang, die Entwicklung, das davor und danach usw. zu erfassen. Das müssen wir lernen, die Wahrheit auf dem Wege aufzuspüren, wie sie uns gegeben ist. Das ist der erste und wichtigste Zugang dazu! Darum muss diese Herangehensweise auch Priorität haben, und das ist eigentlich nicht schwer. Wir müssen das Wort nur sorgfältig lesen, uns mit dem Text vertraut machen, ihn auf uns wirken lassen, und ein wenig gesunden Verstand gebrauchen. Natürlich sind wir uns auch völlig bewusst, dass es dann letztlich der Heilige Geist ist, der uns die geistliche Realität offenbart und uns hinein führt, und dass es Einstellungen und Reaktionen bei uns braucht, wie z.B. Buße, Glaube, Gehorsam, dass wir Fortschritte machen.

Ein erfahrener Bruder, durch den ich das induktive Bibelstudium kennengelernt habe, hat mir vor vielen Jahren den folgenden Spruch dazu gesagt: „Der Rahm sitzt an der Oberfläche!“ Das Beste und Gehaltvollste sitzt an der Oberfläche, es ist nicht verborgen, es ist offensichtlich, es ist gleich vorne dran und gut erkennbar. Das ist wirklich wahr! Allzu oft habe ich erlebt, dass durch vermeintlich tiefschürfendes Bibelstudium eher Nebelkerzen gezündet worden sind, und man sich auf verschiedene Nebenwege begeben und dabei irgendwie auch verirrt hat. Und der eigentlich einfache und klare und ganz offensichtliche Sinn und Ziel des Textabschnitts wurde dann völlig ignoriert und verpasst, und damit auch meist seiner beabsichtigten Wirkung beraubt. Vor lauter Bäumen hat man den Wald nicht mehr gesehen! Liegt es vielleicht auch daran, dass dann meist nicht mehr viel zu reden bleibt über den Text, sondern nur noch das Tun?

Es war eine wirklich tolle Einsicht für mich, als mir klar wurde, das Bibelauslegung keine „Zauberei“ ist und man die Wahrheiten aus dem Text heraus holt, so wie ein Zauberer die Kaninchen aus dem Hut zaubert, und der dabei sein Publikum zum Staunen und Rätseln bringt, wo er das jetzt schon wieder hergeholt hat! Leider habe ich dieses Gefühl nicht selten bei Predigten und Bibelarbeiten, weil das, was man „Auslegung“ der Bibel nennt, oft eher die Bezeichnung „Hineinlegung“ verdient. Kein Wunder, fällt es nach 2000 Jahren Kirchengeschichte und Prägung durch das Christentum, in dem wir aufgewachsen sind, doch schwer, die biblischen Texte einfach frisch, aufmerksam und unvoreingenommen zu lesen, wahrzunehmen was da eigentlich steht und vor sich geht, und das mitsamt dem engeren und weiteren Zusammenhang auf sich wirken zu lassen. Eine Betrachtungsweise, die eigentlich normal und selbstverständlich ist, wenn man Bücher oder Briefe oder Texte jeder Art liest, müssen wir offenbar im Umgang mit biblischen Texten ganz neu lernen. Es scheint mir manchmal, dass wir hier das Lesen erst noch lernen müssen! Ich bin dann auch schon manchmal sehr überrascht worden, wie klar Leute, die, was eine biblische Vorbildung betrifft, ziemlich blank sind, das wesentliche aus einem biblischen Text nach mehrmaligem und auch fortlaufendem Lesen auf Anhieb verstanden.

Eine wunderbar befreiende Erfahrung für mich war, als ich erkannte, dass die Botschaft immer im Text drin steht! Ich muss mir gar nichts ausdenken! Ich muss nur genau hinschauen und sie entdecken, ein wichtiger Schlüssel dazu heißt einfach nur „aufmerksames Beobachten“. Das gehört seitdem immer wieder für mich zu den atemberaubendsten Erfahrungen! Wir lesen im Wort, wir machen uns mit dem Text vertraut, wir beobachten genau was da steht, was passiert, was gesagt wird, wer dabei ist usw., und beachten den unmittelbaren und erweiterten Zusammenhang, und auf einmal fängt der Text an zu leben und bekommt einen Sinn und erklärt sich selbst und die Wahrheiten und Wirklichkeiten darin treten immer deutlicher ans Licht und bringen uns zum Staunen und sprechen zu unseren Herzen und Gewissen. Ich liebe diese Erfahrung. Ich liebe es, dabei zu sein, wenn dies in einer Gruppe passiert! Ich liebe es, dabei zu sein, wenn wir gemeinsam an der Quelle sind und Gott redet und seine Wirklichkeit offenbart, und ich dies an den Gesichtern ablesen kann! Das macht mich glücklich! Meist ist es dann auch ziemlich klar, was die beabsichtigte Wirkung auf uns ist und was wir zu tun haben!

Das Werk Gottes ist keine Materialschlacht. Er gab uns ein Buch. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich fühle mich manchmal wirklich überfordert. Solch eine gewaltige Fülle an Büchern, Materialien, Kursen, Kommentaren, Schriften, Traktaten usw.! Und täglich kommt neues dazu, und es ist soviel Gutes dabei. Doch der Eindruck beschleicht mich, „wir sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr“. Wir haben irgendwie unsere Bibel aus den Händen verloren, ohne dass wir es gemerkt haben. Wie schön ist es, wenn ich meine Bibel in die Hand nehme, und das Gefühl habe, am Original zu sein, ganz dicht dran, direkt an der reinen Quelle, und Gott will so mit mir reden. Ich glaube, wir müssen wieder zurückkehren zu dieser Einfachheit, ohne dass wir alles andere gering achten. Lass uns zusammen im Wort lesen, und darüber nachdenken, und tun, was der Herr uns sagen wird. Das ist „Basic“, das ist „Pflicht“, alles weitere ist dann auch zur rechten Zeit am rechten Platz gut und sehr gut.

Ich bin sehr froh über die Idee des „Entdeckerbibelstudiums“. Ich kann mir keinen besseren Weg vorstellen, als jemand gleich unmittelbar an die Quelle zu führen. Ich möchte einen Menschen, der interessiert ist, einfach einladen, die Bibel mit mir zu lesen . Ich will ihm so früh wie möglich dieses Schlüsselerlebnis ermöglichen, von Gott selbst unmittelbar aus seinem Wort berührt zu werden. Ich will ihn auf diese Spur bringen, er soll „Blut lecken“, und anfangen auch selbst zu lesen. Nein, ich habe keine Angst, dass sie zu wenig verstehen, oder manches falsch verstehen. Ich möchte sie los schicken ins Wort. Wenn sie in diesen Prozess eingestiegen sind und dran bleiben, und gemeinsam lesen und in einer vertrauensvollen freundschaftlichen Beziehung darin begleitet werden, wird es nicht schief gehen. Wir sind ja auch noch da ;-). Ich musste auch lernen, die Spannung auszuhalten, nicht alles gleich erklären zu müssen, bzw. mich auch von diesem Druck befreien, alles gleich erklären zu müssen. Stehen lassen, weiter gehen, sich auf das konzentrieren, was klar ist, und das ist meist genug. Das Entdeckerbibelstudium ist ein Weg, der einfach genug ist, dass ihn sich viele zutrauen werden, und dadurch mehr evangelisiert wird.

Weißt du, dass man nicht besser evangelisieren kann als mit den Evangelien? Dazu sind sie uns gegeben! So haben die Apostel evangelisiert. Ich kann mir keine bessere Evangeliums-Präsentation vorstellen als die Evangelien, und ich möchte Menschen dafür gewinnen, gemeinsam in den Evangelien zu lesen, und Jesus dabei umfassend kennenzulernen. Derzeit bevorzuge ich persönlich Lukas, als den Erzähler unter den Evangelisten.

Mittlerweile bevorzuge ich es auch, Themen aus der Bibel so zu lehren, dass ich eine Liste von dafür relevanten Bibelstellen zusammenstelle, die wir dann gemeinsam nach und nach lesen und im jeweiligen Zusammenhang gemeinsam entdecken, was dieser Abschnitt zum Thema beiträgt und was wir daraus lernen können. Das ist vielleicht nicht der schnellste Weg, es gibt natürlich Abkürzungen. Sicher werden wir auch nicht alles entdecken, was gute Leute vor uns dazu im Wort schon entdeckt haben. Aber ich habe den Eindruck, dieser Weg ist doch der nachhaltigere. Das was wir entdecken, ist i.d.R. genug, um den nächsten Schritt im Glaubensgehorsam zu gehen! Wenn wir die Leute „überfrachten“, sind sie meist überfordert, und sie sind im Tun des Wortes blockiert. Je nach ihrem Fortschritt ist es förderlich, ihnen ein Buch, einen Kurs oder Kommentar in die Hand zu geben, um ein tieferes Verständnis zu bekommen, und auch die eigenen Gedanken und Ergebnisse zu überprüfen an dem, was andere dazu sagen, und von anderen weiter zu lernen.

Wenn ich in der Bibel lese mit Menschen, die noch nicht gläubig sind, sage ich ihnen, dass Gott uns das Wort in die Hand gegeben hat, damit wir es verstehen, ganz normale Menschen wie du und ich. Ich mache ihnen Mut, dass sie es einfach lesen, und etwas erkennen und verstehen werden. Wenn wir gemeinsam lesen, sage ich ihnen, dass Gott ihnen etwas zeigen wird und sie etwas erkennen und verstehen werden, und das Gott mir etwas gezeigt hat, und ich etwas erkannt und verstanden habe und immer wieder neues entdecke, und wir das miteinander teilen wollen. Ich achte auf eine Atmosphäre, wo jeder Mut hat, sich zu beteiligen. Ja, ich teile auch mit ihnen, was ich beobachte und erkenne und gelernt habe. Aber wo immer möglich, gebe ich ihnen den Vortritt und möchte ihnen selbst die Freude der Entdeckung ermöglichen. Ich will ihnen nicht „Ergebnisse“ präsentieren, wenn ich ihnen auch den „Rechenweg“ dahin zeigen kann. Ich mache meinen eigenen Umgang mit dem Wort transparent für sie.

Ich habe große Freude, dass ich das Gefühl habe, dass ich meinen Weg gefunden habe. Ich arbeite mittlerweile am liebsten mit dem 3/3-Konzept, vor allem mit neuen Gruppen. Ich nenne es „Einander lieben“, „Gott lieben“, und „Jesus folgen“. Im ersten Teil wird unsere Beziehung untereinander gefördert, und ich habe gelernt, wie wichtig es ist, ohne Heuchelei, offen, und freundschaftlich miteinander unser Leben zu teilen. Die anschließende Gebetszeit wird dann sehr viel persönlicher und konkreter. Und diese Atmosphäre ist dann auch der beste Rahmen und Nährboden dafür, dass wir im zweiten Teil auch das Wort miteinander teilen und auf Gott hören, und im dritten Teil das Wort wirklich in unserem Leben ankommt! Ich habe das Gefühl, dass sich eine höhere „Qualität“ einstellt, und wir auf einem guten Weg damit sind. Dem Herrn Jesus sei Dank!

3 Antworten auf „Das Werk Gottes ist keine Materialschlacht.

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