Ein Brief Christi – gekannt und gelesen von allen Menschen

Ihr seid unser Brief, eingeschrieben in unsere Herzen, gekannt und gelesen von allen Menschen. Von euch ist offenbar, dass ihr ein Brief Christi seid, angefertigt durch uns im Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln des Herzens. 2. Kor 3,2-3

Wie kommt der Herr Jesus Christus, das Wort Gottes, das Evangelium, zu allen Menschen? Was sind die Mittel und Wege, wie das, was Gott mitzuteilen hat, wirklich dort ankommt, wo es so dringend gebraucht wird? Dies ist die Herausforderung. Wir interessieren uns brennend dafür, wie es dazu kommen kann, dass es von Gottes herrlicher Botschaft heißen mag, sie ist tatsächlich „gekannt und gelesen von allen Menschen“, beginnend da wo wir sind, in unserer Ortschaft, Stadt und Region? Ein Brief ist ja eine persönlich adressierte Mitteilung, die von einem Absender bei einem bestimmten Empfänger ankommen soll. Wie sieht der Plan Gottes aus, dass seine Botschaft  die Adressaten, nämlich jeden Menschen, tatsächlich „erreicht“, gelesen und verstanden wird, oder zumindest werden kann?

Durch das apostolische Team, hatte das Evangelium in eine neue Stadt und neue Region Zugang gefunden, war gepflanzt worden, ein Fundament gelegt, und erste Gruppen von Gläubiggewordenen waren gebildet worden. Dies war der erste Teil der Arbeit, und ist i.d.R. die Aufgabe von Gott berufener Pioniermissionare, bis das Evangelium an einem neuen Platz Zugang gefunden hat. Der zweite Teil ist die weitere Ausbreitung und Durchdringung der ganzen Region bis hin zu jedem Menschen. Und dies war nun die Aufgabe der örtlichen Gemeinde und Gläubiggewordenen.

Vor einiger Zeit las ich etwas in dem Buch von Jim Petersen „Der Insider – Evangelisieren durch Beziehungen“ (Seite 69-70):

Paulus wusste: Wenn das Evangelium sich an einem Ort auswirken sollte, dann musste das durch die Menschen geschehen, die dort lebten, und nicht durch das apostolische Team. Die Apostel konnten die Sache ins Rollen bringen, aber nur Insider konnten bewirken, dass sich das Evangelium in ihrem Bekanntenkreis fortsetzte. Und nur diese würden lange genug dort sein, um die Geburt und das Heranwachsen von geistlichen Nachkommen zu erleben.

Es ist daher nicht überraschend, dass Paulus’ Briefe voll von Anweisungen sind, wie man das Beste aus seiner Stellung als Insider machen kann. Er schrieb z.B. an die Gläubigen in Ephesus: „Denn einst wart ihr in Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts (… in aller Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit) … denn alles, was offenbar wird, ist Licht. Deshalb heißt es: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, und der Christus wird dir aufleuchten!“

In diesem Bild vergleicht Paulus eine echte Gruppe von Gläubigen, die von Christus geprägt sind, mit jemandem, der mitten in der Nacht in einem Schlafsaal voller schlafender Menschen ein Flutlicht einschaltet. Das Licht wird die Schläfer aufwecken, die sicherlich fragen werden, was da los ist. Wenn das geschieht, dann fährt er fort: „Seht nun genau zu, wie ihr wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise!“

Als ich einmal auf dem Weg nach Bangkok war, machte ich Zwischenstation in Singapur. Am nächsten Morgen trank ich meinen Kaffee in einem Straßencafe. Die Straßen waren voll von Menschen, die zur Arbeit hetzten. Als ich sie beobachtete, wie sie dahineilten, begann ich zu beten. Ich suchte irgendjemanden aus der Menge aus und bat Gott, er möge diesem Menschen etwas über den Weg schicken, das ihn zu Christus bringen würde. So betete ich für einen nach dem anderen. Und dann begann ich zu überlegen, wie dieses „Etwas“ aussehen könnte. Wie – fragte ich mich – würde diese Masse von Menschen auf eine solche Art und Weise Zugang zum Evangelium finden, dass sie es verstehen und glauben könnten? Ich bat den Herrn, mir zu zeigen, ob es schnellere Wege dafür gäbe als die, welche ich kannte.

Mir fiel die gängige Antwort auf diese Frage ein: Mache einen evangelistischen Einsatz und verkündige das Evangelium in der ganzen Stadt! Sicherlich würden dadurch einige Menschen erreicht werden, dachte ich. Aber nur wenige. Aber was passiert mit den Übrigen? Wir könnten die Medien einschalten, überlegte ich. Radio und Fernsehen benutzen. Ich hatte die Erfahrung gemacht, dass sich diese Medien sehr gut einsetzen ließen, wenn nichts anderes Erfolg hatte. Sie kommen auch dorthin, wo die Menschen unbeweglich sind. Aber als ich die vorbeiströmende Menge beobachtete, musste ich zugeben, dass die wenigsten von diesen Menschen auf solche Mittel reagieren würden – denn da, wo sie sind, ist es finster. Zuerst muss das Flutlicht kommen. Das heißt: Ein anderer Mensch, den sie kennen und dem sie vertrauen und in dessen Leben sie etwas von Christus sehen können, muss ihre Aufmerksamkeit erregen. Das Evangelium muss gesehen und gehört werden, damit es Menschen verstehen können.

Wir müssen verstehen, dass es ein ganz enorm wichtiger und wesentlicher Teil von Gottes Strategie ist, dass ganz normale Gläubige dort leben und bleiben wo sie sind, und ihr Licht einschalten. Und dies geschieht durch Gehorsam, indem das Wort Gottes Gestalt gewinnt, und wir Christus-ähnlicher werden.

Wir werfen noch einen Blick in das Lukasevangelium. Was Jesus verkündigte, war Gottes Wort, denn er war Gott. Aber noch viel mehr war er selbst Gottes Wort, denn er selbst war die große Mitteilung Gottes an den Menschen, er war die Offenbarung all dessen, was Gott ist, und er war Gott geoffenbart im Fleisch, Gott der die Gestalt eines Menschen angenommen hatte und zu uns kommt. Gottes Wort hatte in seinem Leben eine vollkommene Gestalt angenommen, alles was er lehrte und predigte, war in ihm auf vollkommene Weise verkörpert. Er lebte seine Lehre und lehrte sein Leben. Und er war damit auch der neue Mensch, der zweite Mensch, der Prototyp einer neuen Schöpfung, denn der erste Mensch, aus Adam, dem wir alle angehören, war zum Sünder geworden, verdorben, unheilbar krank, geknechtet an die Sünde und dem Tod geweiht.

Jesus rief die Menschen zur Umkehr, zur Buße. Mit seinem Wort gab er ihnen eine ganz klare Orientierung, und es forderte eine Reaktion des Menschen. Und dieses Wort hatte eine göttliche Kraft, und es war an alle gerichtet, und das Volk hörte es. Doch Jesus war nicht zufrieden, dass das Volk ihn verehrte und zuhörte. Zum Schluss seiner Feldpredigt sagt er (Lk 6,46-48):

Was nennt ihr mich aber: Herr, Herr!, und tut nicht, was ich sage?

Er schaute aus nach Menschen, die sein Wort hören und tun. Er sagte es ihnen geradeheraus:

Warum tut ihr nicht, was ich sage?

Nur im Tun würden sie beweisen, dass er ihr Herr ist, und dass sie ihm glaubten und vertrauten, und ihn wirklich ernst nahmen. Und nur im Tun würde das Wort seine Kraft in ihrem Leben entfalten und ihr Leben auf ein unumstößliches Fundament setzen und sie auf eine wundersame und übernatürliche Weise verändern. Als Jesus dann das Gleichnis vom Sämann erzählt, oder auch als das Gleichnis vom vierfachen Ackerboden bezeichnet, da bildet er damit genau das ab, was hier geschah: viele Menschen hörten zu jener Zeit sein Wort, doch nur ein Teil davon brachte wirklich ein Ergebnis hervor, wie der Herr es wünschte (8,15):

Das in der guten Erde aber sind diese, die in einem redlichen und guten Herzen das Wort bewahren, nachdem sie es gehört haben, und Frucht bringen mit Ausharren.

Dies waren Menschen, die Jesus glaubten, ihn liebten, die auf den Ruf zur Umkehr reagiert hatten und eine erkennbare Sinnesänderung vollzogen hatten, ihre Sünden bekannten, ihre Herzen gereinigt hatten und mit aufrichtigem Herzen Gott suchten. Und sie nahmen seine Worte auf, schenkten ihm Glauben, und wurden gehorsam und taten es, und blieben in diesem Wort treu und brachten gute Frucht. Das Wort „bewahren“ heißt: etw. fest, sicher und treu halten oder bewahren, etw. fest in Besitz nehmen, etw. behalten, besitzen bzw. haben.

Alles hängt nun davon ab, dass wir solche Menschen sind, die sich das Wort Gottes auf diese Weise aneignen und in Besitz nehmen, dass es Teil unserer selbst wird.

Als Jesus aufstand, um zu lehren und in aller Öffentlichkeit sein Leben zu offenbaren, da wurde ein helles Licht angezündet. Es heißt in Mat 4,16:

Das Volk, das in Finsternis sitzt, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die im Land und im Schatten des Todes sitzen – Licht ist ihnen aufgegangen.

Oder wie Johannes schreibt in Joh 1,4-5:

In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

… und in V. 9:

Das war das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet.

Als er in der Welt war, war er das Licht der Welt. Doch das Licht sollte in der Welt bleiben, auch wenn Jesus diese Welt wieder verlassen würde. Er wollte viele Lampen anzünden, in denen sein Licht weiter leuchten würde. Eine Lampe ist dazu da, dass sie ihren Zweck erfüllt, nämlich dass alle gutes Licht haben, die das Haus betreten. Ich denke, der V.16 in Lukas 8 steht nicht umsonst direkt nach V.15:

Das in der guten Erde aber sind diese, die in einem redlichen und guten Herzen das Wort bewahren, nachdem sie es gehört haben, und Frucht bringen mit Ausharren.

… und V.16:

Niemand aber, der eine Lampe angezündet hat, bedeckt sie mit einem Gefäß oder stellt sie unter ein Bett, sondern er stellt sie auf einen Lampenständer, damit die Hereinkommenden das Licht sehen.

Der Herr war dabei, Lampen anzuzünden, das sind die Menschen, die ihm glaubten und sein Wort aufnahmen. Und das wahre Licht soll nun von jedem wahrgenommen werden können, der einem von diesen begegnet. Jesus benutzt das gleiche Bild in Lukas 11,33-36 noch einmal, mit weiteren erläuternden Worten:

Niemand, der eine Lampe angezündet hat, stellt sie ins Verborgene oder unter den Scheffel (Gefäß), sondern auf den Lampenständer, damit die Hereinkommenden das Licht sehen. Die Lampe des Leibes ist dein Auge. Wenn dein Auge einfältig (od. lauter) ist, so ist auch dein ganzer Leib licht, wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster. Gib nun Acht, dass das Licht, das in dir ist, nicht Finsternis ist. Wenn nun dein ganzer Leib licht ist und keinen finsteren Teil hat, so wird er ganz licht sein, wie wenn die Lampe mit ihrem Strahl dich erleuchtete.

Unser Auge ist das Sinnesorgan, mit dem wir Licht wahrnehmen. Und wenn nun unser Auge lauter ist, so wird unser ganzer Leib licht werden, und jeder Teil unseres Leibes und des Lebens, dass wir in diesem Leib leben, soll ganz Licht werden. Was hatte Jesus vor? Die Menschen hörten das Wort Gottes von ihm, die Menschen sahen das Wort Gottes an ihm. Das Licht war sein Leben. Und er wollte dieses Leben auf Menschen übertragen. Wir müssen nur genau hinschauen und ihn in einer kindlichen Lauterkeit und Glauben richtig wahrnehmen und ihm folgen. Auf diese Weise will er auch im Leben von Menschen buchstäblich und auf eine ganz reale Weise Gestalt gewinnen und jeden Teil ihres Leibes erfassen, d.h. ihr ganzes Leben, dass sie in ihrem Leib führen werden. Sie sollten das Wort hören und an ihm sehen, und es glauben, bewahren und tun. Ziehet den Herrn Jesus Christus an … (Röm 13,14), wie es an anderer Stelle heißt. Und so sollte das geschehen, dass dann in V.17 steht:

Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, noch geheim, was nicht erkannt werden und ans Licht kommen wird.

Etwas, dass bis dahin verborgen und geheim war, sollte nun offenbar werden, erkannt werden und völlig ans Licht kommen. Es ist das, was Johannes in 1.Joh 1,1-2 beschreibt:

Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben, betreffend das Wort des Lebens, und das Leben ist geoffenbart worden, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns offenbart worden ist.

Wie sieht nun der Plan Gottes aus? Dieses Leben sollte nicht nur in Jesus selbst geoffenbart werden, sondern auch in allen denen, die ihm glauben und gehorchen. So wird Jesus Christus selbst Gestalt gewinnen in dieser Welt in unzähligen Leben und sich das Licht des ewigen Lebens über die ganze Welt ausbreiten, bis es zu allen hingelangt und alle erleuchten kann, wer und wie Gott ist.

Wir sind der Brief Christi, wir sind die erste Bibel, die die Menschen lesen. Wenn wir den Menschen durch unser Leben wirklich Jesus zu lesen geben, werden sie ihn erkennen, so wird die Botschaft Gottes sie wirklich erreichen, und werden viele zu ihm kommen! Und sie werden mehr von ihm wissen wollen, und auch den Zugang zum geschriebenen Wort Gottes finden. Und wenn wir wie Salz und Licht unter den Menschen sind, sie lieben, bei ihnen bleiben, zu ihnen hingehen, dann „müssen“ sie auch durch unser Leben Jesus lesen, ob sie wollen oder nicht! Dann sind wir ein Brief Christi, gekannt und gelesen von allen Menschen!

2 Antworten auf „Ein Brief Christi – gekannt und gelesen von allen Menschen

  1. Langer Rede kurzer Sinn: Einfache, freie, fröhliche, ungenierte Christen sein, immer und überall! Und sich nicht mit solchen wichtigtuerischen und langen christlichen Ergüssen aufhalten, die nichts sagen, als was man aus der Bibel auch vorher schon gewusst hat!

    1. Hallo …, Danke für die nette „Zusammenfassung“ des Artikels, finde ich gut! Grundsätzlich weniger gut finde ich Kritik, die Herz und Motivation beurteilt … Für viele mag das Geschriebene sicher völlig klar und eine Selbstverständlichkeit sein. Für mich war es wie eine „Offenbarung“ und eine Wegweisung und Reden des Herrn, während dem Nachdenken, Bemühen, Beten, wie er Menschen wirklich „erreichen“ will und wie sein Evangelium wirklich „ankommt“. Leider haben wir da vielfach „auf das falsche Pferd gesetzt“: Veranstaltungen, Aktionen, Kurse, Programme, Medien aller Art, Experten … viel Aufwand und viel zu wenig Ertrag (ohne eines dieser Dinge zu verurteilen oder abzuwerten). Jedenfalls: es muss wieder eine deutliche konsequente Verschiebung geben zum Leben mit den Menschen bei den Menschen für die Menschen mit dem Herrn! Und was das Beste ist: diese „Methode“ können wirklich alle!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s