Zuhören – eine Schlüsselkompetenz für Gemeindegründer

Ein Beitrag von David Watson, erschienen in Englisch am 10.12.2007 auf seinem weblog  http://www.davidlwatson.org/2007/10/12/listening-a-key-skill-for-church-planters/, übersetzt von Mitarbeitern der DIM.

Ein Hauptleiden, das ich bei christlichen Leitern feststelle, ist, dass die Verkündigung des Evangeliums sie taub gemacht zu haben scheint. Sie reden laut, aber es scheint so, als ob sie wenig hören. Auch unsere Gebete scheinen mehr eine Ansprache an Gott zu sein, ja wir wollen Ihn sogar darüber aufklären, wie Er Seine Arbeit machen soll, aber nur selten hören wir Ihm zu. Haben wir vergessen, wie das geht – Zuhören?

Jesus war ein Meister im Fragen stellen, Zuhören, Zwiegespräche führen und antworten. In Matthäus 8, 5-13 lesen wir den Bericht über Jesus und den römischen Hauptmann. Dieser kam zu Jesus mit einer Not – sein Diener war gelähmt und hatte große Schmerzen. Jesus war sofort bereit, hinzugehen und den Diener zu heilen, aber der Hauptmann hatte eine andere Idee. Jesus brauchte gar nicht in sein Haus kommen, er sollte nur ein Wort sprechen und die Heilung würde geschehen. Jesus hörte zu und war erstaunt über das, was der Hauptmann sagte. Jesus nannte das großen Glauben. Der Diener wurde geheilt. Die Jünger Jesu lernten eine Lektion über Glauben. Und wir sehen einen Leiter, der zuhörte, einer Not begegnete, den Glauben des gläubigen Hauptmanns stärkte, selbst Zeit und Energie einsparte und seinen Nachfolgern auch noch eine Lektion erteilte.

Die bekannte Geschichte von der Frau am Jakobsbrunnen (Johannes Kapitel 4) ist ein anderes Beispiel für die Kraft des Zuhörens. Entgegen aller kulturellen Barrieren stellte Jesus Fragen, hörte den Antworten zu, besprach die Tatsachen, bekam Zugang zu einer Stadtgemeinschaft, begegnete verschiedenen Nöten, und die ganze Stadt glaubte. Wenn Er damit begonnen hätte, das Evangelium zu verkündigen ohne zuzuhören und ein Gespräch zu führen, wäre die Situation höchstwahrscheinlich völlig anders verlaufen.

In Matthäus 4, 1-11 sehen wir wie Jesus mit Satan ein Gespräch führt. In Markus 5 sprach Jesus mit einer Gruppe Dämonen. Jesus hatte ausgiebige Diskussionen mit den religiösen Führern seiner Zeit, auch wenn Er nicht mit ihnen einer Meinung war und das Ganze für gewöhnlich damit endete, dass er sie tadelte. Aber trotz alledem – Er hörte ihnen zu. Jesus hörte der geistlichen und religiösen Opposition zu, während er damit fortfuhr, die Nöte der Menschen zu lindern und über das Reich Gottes zu lehren.

Es ist meine Erfahrung, dass Gemeinden dort entstehen, wo die Evangelisten den lokalen Führungspersönlichkeiten zuhören, ihnen Antworten geben und wenn möglich ihrer Not abhelfen; ein Gespräch über geistliche Dinge beginnen, Bibelkreise mit induktivem Bibelstudium ins Rollen bringen und diesen neuen Gruppen dabei helfen, sich zu Gemeinden zu entwickeln. Erst wenn Menschen die Erfahrung machen, dass wir ihnen zuhören, haben sie auch guten Grund uns oder dem Evangelium zuzuhören.

Zuhören ist die Kunst/Fertigkeit korrekt und angemessen auf die geäußerten und nicht geäußerten Nöte und/oder Wünsche derer zu antworten, die wir lieben und respektieren. Als Nachfolger Jesu ist es uns befohlen, Gott den Herrn mit ganzem Herzen, Verstand, Seele und Kraft zu lieben; und unseren Nächsten wie uns selbst. Es ist uns gesagt, dass wir es so tun sollen, wie Jesus es getan hat, und Er liebte die Welt. Es ist Liebe, die uns zum Zuhören befähigt. Es ist Liebe, die das Zuhören zur vollen Reife bringt. Zuhören ist nicht nur zu hören, was gesagt wird oder unausgesprochene Nöte zu erkennen. Es beinhaltet auch auf das, was vermittelt wird eine Antwort zu finden, etwas zu tun. Als Jesus Petrus in sein Apostelamt wiedereinsetzte, fragte er Petrus drei Mal, ob er Ihn liebe. (Johannes Kapitel 21). Jedes Mal antwortete Petrus mit Worten, und Jesus bat ihn, mit Taten zu antworten – Weide meine Lämmer/Schafe.

Als Fertigkeit kann Zuhören verbessert werden. Als Kunst gibt es diejenigen, die den Dreh heraus haben und die es einfach besser können. Aber in beiden Fällen können wir uns alle verbessern, und indem wir besser werden, erhöhen wir die Möglichkeiten des Geistes Gottes, die Verlorenen anzurühren und Gemeinschaften umzuformen. Das allerdings, was nun alle verstanden haben sollten, ist, dass wahres Zuhören immer eine angemessene Antwort mit einschließt, die mehr beinhaltet als Worte. Hören ohne Taten ist nicht Zuhören.

4 Antworten auf „Zuhören – eine Schlüsselkompetenz für Gemeindegründer

  1. Wenn ich die Evangelien lese, erstaunt es mich sehr, dass Jesus vor jeder seiner Handlungen, welche die Zuhörer veränderte das Zuhören noch ernster zu nehmen scheint, als die darauf folgende Hilfe!
    Wie hörte Jesus zu? Er beobachet nicht stumm und schweigsam, sondern stellt eine persönliche Frage, welche das Herz des anderen traf!
    Lange Zeit verwirrten mich die Fragen Jesus an Notleidende, weil sie mir unsinnig erschienen. (z.B. die Frage an den seit 38 Jahren Gelähmtem am Teich Bethesda: Willst Du gesund werden? Joh. 5,6) Erst nach dem Fragezeichen setzt Jesus ein Ausrufezeichen, als echte konkrete Hilfe auf das vom Gegenüber persönlich und konkret geäußerte Ziel und Wunsch! Ich bin angetan davon, dass Jesu Ausrufezeichen sich nicht im Apell erschöpfen, sondern den Hilfesuchenden ermutigen, eigene, bisher ungenutzte von Gott gegebene Handlungsmöglichkeiten wahrzunehmen und konkret anzuwenden.
    So sparsam Jesu Fragen, so sparsam waren seine Antworten, welche den Hilfesuchenden nie überforderten.
    Für mich nehme ich mit: Bedingungslose, wertfreie Wertschätzung ist Basis heilsamer Kommunikation. Meine Herzensnot werde ich dem mitteilen, der mir diese Liebe Gottes reflektiert. Der womöglich größte Anteil menschlicher Antwort und Hilfe besteht darin, unterstützt zu werden Gottes Hilfe gelassen wahr und an zu nehmen.

  2. Schlüsselpersonen! Hier in unserer Stadt im Oder-Spreeland haben wir noch keine gefunden. Und wir bemühen uns wirklich, haben viele Kontakte. Wir leben hier nicht in einer Region, wo jeder Mensch in einen Stamm, eine Dorf, einer Großfamilie zu hause ist. Hier besteht die Welt aus lauter Individuen. Man findet hier nicht mal einen Stammtisch so wie im Süden. Ich habe es aufgegeben bewusst nach Schlüsselpersonen zu suchen. Wenn mich der Herr mit einer zusammen führt ist gut, wenn nicht, dann eben nicht. Wir müssen aufpassen, dass wir keinen Tunnelblick bekommen.

  3. Amen, Amen, Amen! Zuhören sollte die Grundkompetenz eines christlichen Leiters, eines Verkündigers sein. Was lernt man aber auf der Bibelschule? Predigen, Quatschen, sofort Lösungen unterbreiten…. Finde ich ich ganz schön krank! Wie oft stehe ich mit meinem „Lösung-finden“, Bibelauslegung etc. dem heiligen Geist im Weg!

    „Es ist meine Erfahrung, dass Gemeinden dort entstehen, wo die Evangelisten den lokalen Führungspersönlichkeiten zuhören“
    Anfrage an DW: sollen wir nur den lokalen Führungspersönlichkeiten zuhören? Warum bringt er nur das als Beispiel? Vielleicht sind genau das die Leute, die gar kein Interesse haben daran, dass wir ihnen zuhören?
    AS

    1. Bin dabei zu lernen, dass Zuhören etwas mit wahrnehmen zu tun hat: den Gegenüber wirklich wahrzunehmen als einmaligen Menschen und Persönlichkeit, und unser Wunsch und Antrieb, ihn zu lieben und höher zu achten als uns selbst, bringt zum Zuhören, denn dann wollen wir wirklich wissen, wer er ist, wie er denkt, was er fühlt usw. … und der andere wird es spüren und vertrauen. Ich stelle fest, dass ich oft innerlich blockiert und besetzt bin, und mich auch selbst unter Druck setze, und mein Gegenüber gar nicht wirklich wahrnehme … und auch das spürt der andere. Der Artikel hat auch mich sehr angesprochen, da es auch einen Weg weist, wie man eine offene Tür findet: eben mit Zuhören! Ja danke Herr Jesus für Dein Vorbild! Danke für Dein echtes Interesse für jeden einzelnen Menschen!

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