Auf was würden „alte“ Gemeindegründer rückblickend besonderen Wert legen?

Beitrag von E. Keck, Ochsenhausen, im August 2010.

Der Begriff „alt“ ist natürlich relativ. Und doch haben sich über die Jahre Erfahrungen angesammelt, die es wert sind, weiter gegeben zu werden. Denn Fehler, die andere schon gemacht haben, muss man ja nicht zwingend wiederholen, um von Erfahrung sprechen zu können, sondern kann sie auch geschickt umgehen. Diese Art zu lernen stellt nebenbei den elegantesten Weg des Lernens dar.

Rückblickend zeigt sich, dass alle in der Gemeindegründung verwendeten Elemente einfach und leicht reproduzierbar sein müssen und das nicht nur für den schon etwas erfahrenen Gläubigen, sondern auch schon für den Junggläubigen, unter Umständen sogar schon für den noch nicht Gläubigen. Es lässt sich nämlich beobachten, dass sich die  familiären und sonstigen Beziehungsstrukturen sehr schnell abbauen, teilweise in weniger als einem Jahr. Diese kurze Zeit, in der die Beziehungen noch unbeschädigt vorhanden sind,  muss deshalb ohne Verzögerungen genutzt werden, damit ganze Familien erreicht werden können. Denn auch hier zeigt sich, dass oft Einzelpersonen für das Evangelium gewonnen werden können, die anderen Familienmitglieder jedoch oft zurück bleiben.  Allein daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Dinge sehr einfach zu halten. Einfachheit allein garantiert jedoch noch nicht den „Erfolg“. Es braucht dazu noch etwas mehr und zwar folgendes:

Nicht  Zuhörer machen, sondern Jünger, die dem Wort gehorsam sind

Die Betonung liegt dabei auf „Gehorsam gegenüber Gottes Wort“. Oft beschränkt sich unsere Verkündigung auf eine bloße Wissensvermittlung, bzw. Informationsweitergabe. Jesus sagte allerdings, „wer seine Worte hört und tut“ (Mt 7,24) hat wirklich gelernt und das ist letztlich auch das, was das Wort „Jünger“ zum Ausdruck bringt, nämlich ein Lernender zu sein. Gelernt hat man, wenn man umsetzt, was man gehört hat. Wir müssen also sicherstellen, dass der Gehorsam gegenüber Gottes Wort praktiziert wird, dass also dem Erkennen ein Tun folgen muss. Wenn das verstanden ist und praktiziert wird,  schaffen wir die überaus wichtige Voraussetzung, dass sich Gottes Geist weiter offenbaren kann (Joh 14,21.23). Alles andere ist langfristig gesehen nicht zum Ziel führen. Die Offenbarung des Geistes, bzw. das Reden des Geistes zu den Herzen ist der Treibstoff, der den geistlichen Motor antreibt.

Nicht von Menschen abhängig machen, sondern vom Herrn und seinem Wort

Wer in der Verkündigung steht weiß, wie schnell Menschen sich an die Lippen eines begabten, von Erkenntnis triefenden Verkündigers hängen können. Dieser Versuchung muss man  energisch wiederstehen. Biblische Erkenntnis muss in solchen Portionen abgegeben werden, dass die Zuhörer, ob gläubig oder noch nicht, ermutigt werden, die Antworten selbst in der Bibel zu finden und dabei die überaus wichtige Erfahrung machen können, dass Gott zu ihnen durch sein Wort tatsächlich redet. Gerade als Vollzeitler steht man hier in einer besonderen Versuchung und Verantwortung.

Sich so schnell als möglich entbehrlich machen

Junge Gläubige sind darauf angewiesen, dass die Älteren ihnen  alles an die Hand geben, was sie brauchen, um stetig wachsen zu können (ich vermeide hier das Wort „schnell“), um Ihnen damit die Chance zu geben, in die Dienste und Verantwortungen ohne Zeitverlust hineinwachsen zu können. Das bedeutet aber, dass der Leiter lernen muss, sich zurückzunehmen, auch wenn er es vielleicht besser weiß und kann. Er muss Verantwortung delegieren, begleiten und ermutigen können, muss  das Risiko eingehen, dass Fehler passieren. Wenn der Fehler dann passiert ist, umso mehr ermutigen, daraus zu lernen und weiter zu arbeiten. Die gegenteilige Gefahr ist, dass man sich zu früh aus der Begleitung zurück zieht und Fehlentwicklungen zu spät realisiert. Fred Colvin brachte es einmal auf den Punkt indem er diese Art der Ausbildung folgendermaßen beschrieben hat: 1. Ich arbeite und Du schaust zu, 2. Ich arbeite und Du hilfst mir, 3. Du arbeitest und ich helfe Dir, 4. Du arbeitest und ich schaue Dir zu … und sie dann eigene Schritte machen lassen, aber in Kontakt und Rufnähe bleiben. Das ist der beste Weg Potentiale an Begabungen und Einsatzbereitschaft bei den Geschwistern in vollem Ausmaß zu entfalten.

Wachstumshindernisse zügig angehen

Manchmal wollen Gläubige einfach nicht wachsen. Das liegt häufig an verborgenen sündhaften Gewohnheiten, die erkannt und beseitigt werden müssen. Jean Gibson sagte einmal „Tötet die Schlangen in eurem Leben, bevor sie euch töten“. Dazu ist ein gutes, liebevolles Vertrauensverhältnis und persönliche Nähe vonnöten, die den Mut und das Einfühlungsvermögen hat, diese Sachverhalte in Geduld zu klären und Hilfestellungen zu geben, indem man immer auf das Ziel hinweist.

Das evangelistische „Handwerk“ sofort vermitteln

Interessierte und junggläubige Menschen geben das Evangelium, wenn sie davon begeistert sind, so weiter, wie sie es selbst gehört haben. Wir sind also gewissermaßen Anschauungsunterricht für sie. Deshalb müssen wir genau überlegen, was wir weitergeben und wie wir es weitergeben.  Am besten ist es, wenn sie selbst die Entdeckungen in der Bibel machen.

Mehr auf Kleingruppen und ganze Familien zielen

Dazu müssen Listen mit thematisch sortierten Bibelpassagen bereit liegen, die in Kleingruppen der Reihe nach betrachtet werden können. Der „erfahrene Bruder“ steht dabei völlig im Hintergrund und ist an den Abenden nicht einmal anwesend, hält aber Rücksprache mit den jungen Kleingruppenleitern und rüstet sie entsprechend aus. So wird gewährleistet, dass alle die Antworten suchen und auch finden.

Diese wenigen und einfachen Prinzipen können, wenn sie denn sorgfältig und konsequent durchgeführt werden, die Gemeindegründungsarbeit erheblich beleben. Allerdings müssen dazu alte, liebgewordene und zum Teil auch erfolgreiche Evangelisations- und Handlungsstrategien auf den Prüfstand gestellt werden. Ob uns das gelingt, wird die Zukunft zeigen.

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