Zombies und andere gemeindeähnliche Wesen

Ein Beitrag von David Watson, erschienen in Englisch am 26.07.2007 auf seiner Internetseite http://www.davidlwatson.org/2007/07/26/zombies-and-other-church-like-things/, übersetzt von Mitarbeitern der DIM.

Überall auf der Welt wird andauernd über die Struktur, Natur und Funktion von Gemeinde diskutiert. Diese „ekklesia“ Diskussion ist nun schon 2000 Jahre alt. Vieles von dem, was wir heute sehen und hören hat tiefe Wurzeln im Katholizismus und beinhaltet rituelle Bestimmungen, Gemeindeleitung, Struktur, Lehre, Theologie und mehr. Will man allerdings mehr als 1500 Jahre Tradition wegwischen, wird man mehr brauchen als einen Besen. Im übrigen sind  Diskussionen hierüber oft  mit dem Versuch vergleichbar, das Meer Tröpfchenweise leeren zu wollen.

Sollten Sie an dem biblischen Material interessiert sein, das ich benutze wenn ich über die Gemeinschaft der Gläubigen lehre, also das, was wir schlechthin als Gemeinde bezeichnen, senden Sie bitte ein e-mail an paul@pauldwatson.com .  Es handelt sich nicht um erschöpfendes Studienmaterial, aber für den Anfang reicht es. Wenn man sich über  Gemeinde unterhält, besteht ein Problem darin, dass man definieren muss, über welchen Zeitpunkt in deren Entwicklungsstadium  man sich eigentlich Gedanken macht. Ein Same sieht nämlich nicht aus wie ein Spross, dieser auch nicht wie ein junger Trieb, dieser wiederum nicht wie ein reifer Baum, der seiner selbst wieder Samen hervorbringen kann. Heißt das nun, dass ein Same, ein Spross und ein Trieb kein Baum sind? Jeder von ihnen beinhaltet das genetische Material, um ein Baum zu werden, auch wenn man sie nicht als Baum identifizieren könnte.

Das Problem, wenn man einen Schnappschuss von einem Wachstumsprozesses macht ist, dass das, was dem Schnappschuss vorausgeht offensichtlich sein kann, oder auch nicht. Auch das, was aus dem Wachstumsprozess einmal werden könnte oder auch nicht, ist vielleicht nur im Ansatz als Hoffnung oder Versprechen sichtbar. Die Gemeinde ist nichts Statisches. Sie ist ein Organismus- der Leib Christi. Sie ist im Fluss. Sie ändert sich. Sie wächst. Sie kann alt werden. Einzelne Ortsgemeinden sterben. Manche Gebilde, die man Gemeinden nennt, sind in Wirklichkeit Zombies; das bedeutet, dass sie tot sind, es aber nicht wissen, und dass sie mit starrem Blick herumlaufen und alle anderen Gemeinden zu dem machen wollen, was sie selbst sind.

Ein anderes Problem ist, dass viele Gemeindegründer sich eher als Gärtner, anstatt als Gründer verstehen. Der John-Deere-Pflanzer, den ich auf meiner Farm benutzte, war wunderbar geeignet, Saat auszusäen. Aber mit dem Wachstum der Saat hatte er rein gar nichts zu tun. Der Bauer allein war für ein gesundes Wachstum verantwortlich – die Bewässerung, Ernährung, das Düngen, das Ausschneiden, das Jäten, die Insektenbekämpfung, usw. Der Bauer tat diese Arbeiten nicht alle allein, aber er war dafür verantwortlich, dass Leute angestellt wurden, diese Arbeiten zu tun. Doch Arbeit hin oder her, das Leben selbst konnte der Bauer nicht hervorbringen, genauso wenig wie die Ernte, auch wenn er sich das noch so sehnlichst gewünscht hätte.

Gemeindegründer säen die Saat des Evangeliums, die, wenn sie von verantwortlichen Leitern gepflegt wird, eine reife, sich vervielfältigende Gemeinde werden kann. Viele verschiedene Arbeiter werden an diesem Prozess beteiligt sein. Einige werden kurze Zeit mitarbeiten, andere wiederum sind Langzeitarbeiter. All dies wird vom Heiligen Geist koordiniert.

Als Serubbabel von Gott dazu berufen wurde, den Tempel wieder aufzubauen, sagte Gott:

Da antwortete er und sprach zu mir: Das ist das Wort des HERRN an Serubbabel: Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist! spricht der HERR der Heerscharen. Sacharja 4,6

Gemeindegründer und andere Verantwortliche in Gemeinden müssen sich hieran erinnern. Wenn wir die richtige Saat säen, haben wir das Potential, den richtigen Baum zu bekommen.

Wenn wir die Saat bewässern, dass sie wachsen kann, wenn andere dieses Wachstum unter der Leitung des Heiligen Geistes beobachten und leiten, werden wir vielleicht die Ehre haben, eine sich vervielfältigende Gemeinde entstehen zu sehen.

Eine Gemeinde beginnt also mit der richtigen Saat. Diese richtige Saat ist Liebe für und Glaube an den Herrn Jesus Christus, die sich wiederum im Gehorsam  dem ganzen Ratschluss des Wortes Gottes gegenüber ausdrücken. Wenn der, der das Evangelium sät, seine Jünger dazu formt und ausrüstet, gehorsam zu sein, wird der Heilige Geist die Führung des Wachstumsprozesses übernehmen und eine Gruppe von Jüngern wird zu einer sich vervielfältigenden Gemeinde heranwachsen. Hier handelt es sich um einen Prozess und nicht um ein Produkt. Der Prozess bringt zwar in der Tat ein Produkt hervor, aber der Gemeindegründer ist normalerweise nicht da, um das fertige Produkt zu sehen, das vielleicht Jahre der Entwicklung braucht und, da es organisch und nicht mechanisch ist, wird seine Existenzform auch von einem beständigen Wandel begleitet sein. Eine Momentaufnahme  dieser Gruppe von Gläubigen  schaut vielleicht gar nicht aus wie eine Gemeinde, doch schon die nächste Momentaufnahme kann geradezu eine ideale Gemeinde abbilden. Dann, noch bevor wir sie vielleicht kennen, kann diese Gemeinde schon wieder so alt und verblasst sein, als hinge sie in irgendeinem Museum.

Worauf also zielen wir ab? Was für ein Ergebnis wollen wir bei unseren Gemeindegründungsbemühungen sehen? Ich möchte folgendes sehen:

Eine Gruppe getaufter Gläubiger, die an den Herrn Jesus Christus glauben, die in Gemeinschaft leben und sich regelmäßig treffen, um

  • Gott von ganzem Herzen, mit ihrem ganzen Verstand, Seele und Kraft zu lieben
  • Gott im Geist und in Wahrheit anzubeten
  • Sich gegenseitig zu lieben und zu helfen, all das zu werden, wozu Gott sie berufen hat und das zu tun, was Gott ihnen geboten hat
  • Biblische Gemeinschaft zu praktizieren, die man in den Textstellen der Schrift findet, die vom „euch gegenseitig“ sprechen
  • aus ihren Versammlungen hinauszugehen, um ihren Glauben in einträchtigem Gehorsam gegenüber allen Geboten des Herrn Jesus auszuleben, und zwar so, dass den Nöten der Menschen durch ihren Dienst abgeholfen wird, Einzelne gerettet, ganze Familien verändert werden und diese wiederum das Gemeinwesen verändern

Es gibt nicht so etwas wie eine einfache Gemeinde, Hausgemeinde, Zellgemeinde, Megakirche oder traditionelle Kirche. Diese Bezeichnungen sind eher dazu angetan, zu trennen, als zu einen. All dies sind Ausdrücke für Gemeinden in verschiedenen Stadien des Wachstums und bezeichnen verschiedene Formen, die der Wachstumsprozess annimmt. Nur die Frucht jeder einzelnen Gemeinde oder Kirche sagt etwas darüber aus, ob es sich wirklich um Gemeinde handelt oder nicht. Zombies gibt es in allen Größen und Formen. Und so gibt es lebendige, dynamische und gehorsame Versammlungen von Gläubigen, die zusammenarbeiten und leben, um einander und ihrer Gemeinschaft zu dienen, die Verlorenen zu finden und zu retten, und leben, um dem Gott zu gehorchen, der sie geschaffen und errettet hat.

Die Quintessenz für mich heißt einfach: es ist mir egal, wie Du es nennst, es ist mir egal, welche Form es hat, ich möchte nur dabei sein, wenn es geschieht.

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