Kleingruppen mit der DNA für eine Gemeindegründungsbewegung

Ein Beitrag von Paul Watson, erschienen in Englisch am 18.02.2010 auf seiner Internetseite http://www.reachingtheonlinegeneration.com/2010/02/18/small-groups-that-have-the-dna-of-a-gospel-planting-movement/.

Eine Gruppenaufgabe

David Watson zeigte eine Abbildung auf dem Bildschirm. „Seht euch bitte dieses Bild an!“ Nach einigen Sekunden schaltete er den Bildschirm aus. „Beschreibt nun das Bild!.“

Die Leute nannten verschiedene Dinge, an die sie sich erinnerten. David lies sie fortfahren, bis sie begannen, Dinge zu wiederholen, die andere schon genannt hatten. Er zeigte das Bild noch einmal. „Konnte einer von euch sich an alles erinnern?“ Ein kollektives „Nein“ ging durch die Zuhörerschaft. „Und doch, zusammen konntet ihr die meisten Einzelheiten der Zeichnung nennen. Nachdem ihr nun von den Einzelnen gehört habt, an was sie sich erinnern, könnt ihr euch ganz bestimmt an mehr erinnern als vorher.“

David sah sich im Raum um. „Das Gruppengedächtnis ist besser als das Gedächtnis des Einzelnen. Und wenn Gruppen sich etwas in Erinnerung rufen, wird ihr gemeinsames Gedächtnis das des Einzelnen. Das ist einer der vielen Gründe, warum Gruppen und Gruppenprozesse so grundlegend wichtig sind um Bewegungen zu beginnen.“

Die Vorteile von Gruppen

Gruppen und Gruppenprozess sind ein strategisches Element in unserer Methodik das Evangelium auf der ganzen Welt zu gründen. Wenn ich „strategisches Element“ sage, meine ich damit: Unsere Methodik würde kläglich scheitern, wenn Gruppen und Gruppenprozesse kein Teil davon wären. Die Macht von Gruppen und die Wichtigkeit von Gruppenprozessen zu unterschätzen ist einer der größten Fehler, den ein Gemeindegründer machen kann. Es gibt verschiedene Gründe dafür, das Gruppen so einflussreich sind:

Gruppen erinnern sich an mehr als Einzelne.
Wie David mit seinem Bild zeigte, kann sich eine Gruppe von Menschen an mehr und genauer erinnern als eine Einzelperson. Wenn Gruppen sich gemeinsam Dinge in Erinnerung rufen, wird das Gruppengedächtnis das Gedächtnis jedes Einzelnen.

Gruppen lernen schneller als Einzelpersonen.
Gruppen brauchen weniger Wiederholung von Fakten und Prinzipien, bevor sie diese gemeinsam wiedergeben. Wie wir schon zuvor feststellten, wird bei der Wiedergabe der Gruppe das Gruppengedächtnis zum Individualgedächtnis. Folglich wird der Lernprozess in Gruppen beschleunigt, wenn man den Gruppenprozess zulässt.

Gruppen reproduzieren schneller als Individuen.
Weil Gruppen mehr behalten und schneller lernen, kommen Einzelpersonen innerhalb dieser Gruppe schneller an einen Punkt, an dem sie das, was sie gelernt haben, an andere weitergeben können. Weil diese Personen innerhalb eines Gruppenprozesses geschult wurden, verwenden sie natürlicherweise dieselbe Methode in ihrem Bekanntenkreis, um neue Gruppen zu schulen.

Gruppen reproduzieren sich öfter als Einzelpersonen.
Da Mitglieder einer gut geführten Gruppe schneller an den Punkt der Reproduktion kommen, können sie auch öfter reproduzieren. Sie wissen, wie sie das, was sie gelernt haben in neuen Gruppen innerhalb ihres Bekanntenkreises umsetzen. Also reproduzieren sich einzelne Gruppenglieder innerhalb anderer Gruppen. Das macht es möglich, dass Mitglieder einer Gruppe mehr Leute erreichen, als wenn sie sich auf Einzelpersonen konzentrieren würden.

Gruppen sind ein Schutz vor schlechter Leiterschaft und Irrlehre.
Wenn die Autorität der Bibel und des Heiligen Geistes Teil der DNA einer Gruppe und eines Gruppenprozesses ist, können sich Gruppen vor schlechter Leiterschaft schützen. Gruppen, die das, was die Leiter sagen an der Schrift messen, können gut die Ideen von Leitern stoppen, die der Bibel hinzugefügt werden oder die sogar unbiblisch sind. Folglich werden die Auswirkungen schlechter Leiterschaft reduziert, schlechte Leiter werden entfernt und Irrlehre wird vermieden.

Gruppen und Selbstkorrektur.
Das ist der Grund, warum gut geschulte Gruppen einen Schutz gegen schlechte Leiterschaft und Irrlehre bilden. Teilnehmer einer solchen Gruppe verstehen, was sie in der Bibel lesen und korrigieren einander, wenn jemand eine Auslegung oder Anwendung ausführt, die nicht zu dieser Passage passt.

Gruppen nehmen Einzelne in die Verantwortung.
Wenn du das Evangelium in einer geschlossenen Clique oder Gruppen lehrst, sehen sich die Mitglieder der Gruppe oft genug, um sich gegenseitig in die Verantwortung zu nehmen. Wenn jemand der Schrift ungehorsam ist, bekommt die Gruppe relativ schnell diesen Ungehorsam mit. Richtig geschulte Gruppen sprechen diesen Ungehorsam an und helfen bei der Buße und Wiederherstellung der betroffenen Person.

Gruppen schulen

Wenn du bestehende Gruppen eines Bekanntenkreises einbeziehst, kannst du viele kulturelle Barrieren, die Gruppenprozesse verlangsamen (oder beenden), minimieren. Familien haben bestehende Hierarchien. Bestehende Cliquen haben schon eine Art Leiter und Anhänger. Natürlich müssen Gruppen immer noch geschult werden. In anderen Worten, sie müssen gelehrt werden, wie man die Bibel zusammen studiert, wie man entdeckt, was Gott durch sein Wort sagt, wie sie ihr Leben ändern können, um Gottes Wort gehorsam zu sein und wie Bibelabschnitte Freunden und Familie mitgeteilt werden können. Gruppen tun diese Dinge nicht natürlicherweise; sie müssen in sie hineingelegt werden, damit sie so normal werden wie das Atmen.

Verwende bestehende Gruppen.
Ich habe bereits in aller Länge die Vorteile bestehender Gruppen innerhalb ihres Umfeldes erörtert gegenüber dem Aufbau neuer Gruppen mit Menschen aus unterschiedlichen Bekanntenkreisen.

Führe die DNA früh ein.
Gruppen etablieren Gewohnheiten und DNA in ihren Treffen sehr schnell – schon beim dritten oder vierten Mal. Gruppen tun sich sehr schwer mit Veränderungen, wenn sich bestimmte Abläufe ihrer Treffen schon eingespielt haben. Also muss die Gruppen-DNA beim ersten Treffen eingeführt werden.

Führe die DNA durch Taten ein.
Du kannst den Leuten nicht sagen, welche DNA sie haben sollten. Du musst sie dazu bringen, Dinge so zu tun oder über Dinge so zu denken, die sie dazu führen, Gewohnheiten zu entwickeln. Aus diesen Gewohnheiten wird die DNA. Wenn du die DNA gut einführst, durch Taten, nicht nur Worte, wird die Gruppe diese DNA ganz natürlich in ihrem nächsten und erweiterten Umfeld wiederholen. Wir werden noch später darüber sprechen, wenn es um Gruppenprozess geht.

Führe die DNA durch Wiederholung ein.
Gruppen-DNA ist das Ergebnis dessen, was du oft tust. Du kannst etwas nicht ein- oder zwei Mal tun und erwarten, dass daraus DNA wird.

Sehen wir uns das einmal genauer an.

Was für eine DNA brauchen Gruppen, die sich multiplizieren?

Im Dezember 2009 reisten David Watson und ich nach Honduras. Ein Missionar hatte einige unserer Schulungen besucht und sehr daran gearbeitet, das Gelernte in Honduras einzuführen. Aber nach einem Jahr war der Missionar fast so weit zu behaupten, dass die Gemeindegründungs-Methoden in Honduras nicht funktionierten. Nach einer Woche mit seinem Team – fast alles Einheimische – stellten wir fest, dass der Missionar die Treffen mit dem Entdecker-Bibel-Studium überarbeitet hatte. So kam es, das Gruppen, die neu begannen, einige Elemente der Studie ausgelassen hatten – wichtige DNA-Elemente für die Multiplikation – und sich somit nicht multiplizierten.

Einige Mitglieder des Teams wollten die notwendigen Veränderungen nicht machen. Er verlor alle bis auf sechs in seinem Team. Wir sagten dem Missionar außerdem, dass diese Mitarbeiter zu zweit arbeiten müssten, statt alleine die Dörfer zu besuchen. Statt 14 Personen, die 14 verschiedene Orte besuchten, hatte dieser Missionar nun nur noch drei Teams à zwei Personen. Sie konnten gleichzeitig nur in drei Gebieten arbeiten. Dieser Missionar hielt uns für verrückt, aber er und sein verbleibendes Team waren von dem Grundprinzip wirklich überzeugt.

In dem Jahr nach unserer Reise begannen sie 300 Entdecker-Bibel-Studium-Gruppen. Viele waren aus der dritten Generation – eine Gruppen, die eine Gruppe begann, die eine weitere Gruppe ins Leben rief (3. Generation).

Es gibt ein Minimum an DNA, das notwendig ist, um über die erste Generation hinaus zu wachsen. Sehen wir uns diese Elemente einmal an.

Gebet.
Genau so wie Gebet grundlegend wichtig ist für Bewegungen, ist das Gebet ein entscheidendes Kriterium für Gruppen. Ab dem ersten Treffen betten wir das Gebet in den Gruppenprozess ein. Zur Erinnerung, wir bitten verlorene Menschen nie darum, ihren Kopf zu senken und zu beten. Wir erklären nicht, was Gebet ist. Wir halten keine Abhandlung darüber, dass dies ein wichtiger Teil der DNA einer Gruppe ist. Stattdessen stellen wir eine einfache Frage: „Wofür bist du heute dankbar?“ Jeder einzelne teilt sich mit. Später, wenn sie sich für Jesus entschieden haben, sagen wir „Du weißt, dass wir jedes Treffen beginnen mit der Frage >Wofür bist du dankbar?< Nun, als Jünger Jesu sprechen wir mit Gott genauso. Komm, wir sagen ihm, wofür wir dankbar sind.“

Fürbitte.
Jede Fürbitte ist Gebet, aber nicht jedes Gebet ist Fürbitte. Aus diesem Grund nennen wir Gebet und Fürbitte separat, wenn es um die DNA von Gruppen geht, die sich multiplizieren. Fürbitte beinhaltet, dass persönliche Anliegen und Lasten für andere mitgeteilt werden. Eine einfache Frage „Was hat euch diese Woche belastet?“ führt dieses DNA-Element bei Gruppen mit Verlorenen ein. Wieder teilt sich jeder einzelne mit. Nachdem daraus eine Gruppe getaufter Gläubiger wird sagen wir. „So wie wir uns über die Dinge ausgetauscht haben, die uns belastet haben, können wir diese Dinge nun Gott mitteilen. Wir tun das jetzt.“

Dienst.
David Watson definiert Dienst so: „Gott benutzt sein Volk um Gebete der Verlorenen und Geretteten zu beantworten.“ Wenn sich eine Gruppe – bestehend aus Verlorenen oder Geretteten – über Bedürfnisse austauscht, wird in der Gruppe der Wunsch entstehen, zu helfen. Alles, was die Gruppe braucht ist ein kleiner Schups. Stelle die Frage. „Wir haben uns nun ausgetauscht über die Dinge, die uns belasten. Wie könnten wir uns in der kommenden Woche gegenseitig helfen?“ Und dann: „Kennst du noch jemanden aus unserem Umfeld, der Hilfe nötig hat?“ Bette diese DNA von Anfang an ein und du brauchst dir keine Gedanken darüber machen, wie du die Gruppe dann, wenn sie sich bekehrt hat, in diese Richtung formst.

Evangelisation / Multiplikation.
Wusstest du, dass Verlorene evangelisieren können? Ja, das funktioniert, wenn du es einfach hältst. Evangelisation ist im Kern das Mitteilen der guten Botschaft. Wenn du mit Verlorenen arbeitest, kennen sie nicht das ganze Evangelium. Das ist total o.k. Wir möchten nur, dass sie die Geschichte jemandem erzählen, der nicht in der Gruppe war. Wir können sie auf diesen Weg durch die einfache Frage bringen „Kennst du jemanden, der diese Woche diese Geschichte hören sollte?“ Wenn diese Person interessiert ist, ist es besser, dass die erste verlorene Person eine neue Gruppe mit ihr, ihren Freunden, ihrer Familie beginnt, als sie in die bestehende Gruppe zu bringen. So erfährt die erste Person die Bibelarbeit in ihrer ersten Gruppen und wiederholt dasselbe Thema in der Gruppe, die sie mit ihrem Bekannten begonnen hat. Es gab bei uns Gruppen, die vier andere Gruppen begannen, bevor die erste überhaupt eine Gruppe von getauften Gläubigen wurde. Innerhalb kurzer Zeit nachdem die erste Gruppe getauft wurde, kamen die anderen Gruppen an einen Punkt, wo sie sich für Jesus entschieden und ebenfalls getauft wurden. Ich weiß, dass sich das verrückt anhört. Lies weiter und einige der Fragen, die du jetzt hast, werden beantwortet.

Gehorsam.
Wie ich schon oft betonte, ist Gehorsam (LINK) ein entscheidendes Element der Gemeindegründungs-Bewegung. Gehorsam muss schon auf einem sehr kleinen Gruppenniveau vorhanden sein, schon bei Gruppen von Verlorenen. Wir stellen uns natürlich nicht vor eine Gruppe Verlorener, drohen mit dem Finger und sagen „Ihr müsst diesem Abschnitt gehorsam sein!“, stattdessen fragen wir „Wenn du glauben würdest, dass diese Aussage von Gott kommt, was müsstest du in deinem Leben ändern?“ „Wenn“ ist akzeptabel, weil sie noch nicht an Gott glauben. Wenn sie sich dafür entscheiden, Jesus nach zu folgen, passt sich die Frage leicht an „Da du glaubst, dass dies von Gott kommt, was wirst du in deinem Leben ändern?“ Weil sie diese Frage gewohnt sind, kämpfen Neubekehrte nicht mit der Vorstellung, dass sie Gottes Wort gehorchen müssen; dass Gottes Wort etwas von ihnen verlangt; dass Gottes Wort Veränderung von ihnen verlangt.

Rechenschaft / Verantwortlichkeit.
Verantwortlichkeit in die Gruppen-DNA einzupflanzen beginnt im zweiten Treffen. Blicke in die Runde und sage „Ihr habt zugesagt, dass ihr diese Woche So-und-So helfen wolltet. Wie lief’s?“ Frage auch „Einige von euch haben Dinge genannt, die sie in ihrem Leben ändern müssen. Habt ihr diese Veränderungen gemacht? Wie lief’s?“ Wenn sie nichts getan haben, ermutige dazu, es diese Woche anzupacken und beim nächsten Treffen mitzuteilen, wie es ging. Hebe hervor, dass es für die Gruppe wichtig ist, die Leistungen eines jeden zu feiern. Am Anfang wird das jeden überraschen. Sie werden es nicht erwarten. Beim zweiten Meeting werden jedoch einige bereit sein. Beim dritten Treffen wird jeder wissen, was kommt und wird vorbereitet sein. Natürlich geht diese Gewohnheit weiter wenn alle getauft sind.

Anbetung.
Du kannst von verlorenen Menschen nicht verlangen, einen Gott anzubeten, an den sie nicht glauben. Du solltest sie auch nicht zum Lügen verführen, indem du sie Lieder singen lässt, hinter denen sie nicht stehen. Trotz alledem ist es möglich, den Samen der Anbetung in die DNA einer Gruppe zu legen.

Wenn sie über Dinge sprechen, für die sie dankbar sind, wird daraus Anbetung.

Wenn sie über die Änderungen sprechen, die sie in ihrem Leben vollzogen haben als Antwort auf die Bibel, wird daraus Anbetung.

Wenn sie sich freuen über die Unterschiede, die sie in ihrem Umfeld gemacht haben, wird daraus Anbetung.

Anbetungslieder ist nicht das Herzstück der Anbetung. Anbetung entsteht aus der Beziehung zu Gott. Loblieder singen ist ein Ausdruck der Freude, die durch die Beziehung zu Gott entsteht.

Natürlich werden sie irgendwann Loblieder singen, aber die DNA für Anbetung wird schon viel früher gebildet.

Schrift.
Das Wort Gottes ist im Zentrum der Treffen. Die Gruppe liest die Bibel, diskutiert darüber, hört sich gegenseitig ab und ist ermutigt, der Schrift zu gehorchen. Die Schrift nimmt nicht den zweiten Platz nach dem Lehrer ein, die Schrift ist der Lehrer. Wir sprechen noch eingehender darüber im nächsten Punkt.

Entdeckung.
Wenn wir mit verlorenen Menschen arbeiten, ist es wichtig, nicht die Rolle dessen zu übernehmen, der die Schrift erklärt. Wenn wir das tun, werden wir zur Autorität, statt dass die Bibel die Autorität wird. Wenn wir selbst die Autorität sind, wird die Multiplikation eingeschränkt durch unsere Kapazität als Leiter und die Zeit, die wir haben, jede Gruppe zu unterweisen. Also hindert es eine Gruppe daran, sich zu vervielfältigen, wenn die Autorität der Schrift auf einen Lehrer übertragen wird. Diese Verschiebung ist schwer. Wir lieben es zu lehren. Wir fühlen uns gut dabei. Wir kennen die Antworten und wollen dieses Wissen mit anderen teilen. Wenn wir aber Menschen lehren möchten, in der Schrift und mit dem Heiligen Geist nach Antworten für ihre Fragen zu suchen, könnten wir nicht die fertigen Antworten liefern. Wir müssen ihnen helfen zu entdecken, was Gott ihnen in seinem Wort sagt.

Um diesen Gedanken zu stützen, nennen wir Außenstehende, die eine Gruppe beginnen, Moderatoren. Sie moderieren mehr die Entdeckung als zu unterrichten. Ihre Arbeit ist es, Fragen zu stellen, die verlorene Menschen dazu bringt, die Schrift zu untersuchen. Wenn sie einen Abschnitt gelesen haben, fragen sie „Was sagt uns dieser Abschnitt über Gott?“ und „Was lehrt uns dieser Abschnitt über die Menschheit?“ und „Wenn du glauben würdest, dass diese Aussage von Gott kommt, was müsstest du in deinem Leben ändern?“ Der Entdecker-Prozess ist notwendig für die Multiplikation. Wenn Gruppen nicht lernen, auf die Schrift und den Heiligen Geist zu vertrauen und von dort ihre Antworten zu erwarten, werden sie nicht so wachsen, wie sie sollten und sie werden sich nicht sehr multiplizieren, wenn überhaupt.

Gruppen-Korrektur.
Die große Mehrheit unserer Gruppen-Leiter und Gemeinde-Leiter hat keine institutionelle Bibelschule besucht. Wenn Leute das erfahren, fragen sie „Wie ist das dann mit Irrlehre? Was tut ihr, um eure Gruppen sauber zu halten?“ Das ist eine gute Frage. Als Leiter müssen wir uns diese Frage stellen.

Erstens haben Gruppen am Anfang einen Hang zur Irrlehre. Sie wissen nicht alles über Gottes Wort. Sie befinden sich in dem Prozess, Gott kennen zu lernen, sie verändern sich vom Ungehorsam zum Gehorsam, aber es ist nicht möglich, dass sie alles schon von Anfang an wissen. Während die Gruppe mehr zusammen liest, mehr darüber lernt, welche Beziehung Gott mit ihnen leben möchte, tendiert sie immer weniger zur Irrlehre. Das ist ein Teil der Jüngerschaft. Wenn wir beobachten, dass sie sich zu weit von der Bibel entfernen, führen wir sofort einen neuen Abschnitt ein und leiten sie durch das Entdecker-Bibel-Studium zu diesem Abschnitt. (Bitte beachte, dass ich nicht „lehre“ oder „korrigiere“ sage. Der Heilige Geist wird die Bibel dazu verwenden, ihr Verhalten zu korrigieren. Sie müssen nur mit den richtigen Versen bekannt gemacht werden.). Nachdem sie diese weitere Passage studiert haben, werden sie begreifen, was sie tun müssen. Und – noch wichtiger – sie werden es tatsächlich tun.

Zweitens müssen wir uns darüber klar werden, dass Irrlehre in der Regel mit einem sehr charismatischen Leiter beginnt (im Sinne von „Charisma“, nicht der charismatischen Bewegung zugehörig), mit einer Lehre, die der Gruppe zeigt, was die Bibel sagt und was sie tun müssen, um zu gehorchen. In diesem Fall akzeptieren Gruppen, was der Leiter sagt und untersuchen nicht den Zusammenhang in der Bibel. Wir lehren Gruppen, einen Abschnitt zu lesen und zu untersuchen, wie jedes Mitglied darauf reagiert. Gruppen werden gelehrt eine einfache Frage zu stellen „Wo findest du das in diesem Abschnitt?“ Wenn jemand eine seltsame Aussage über Gehorsam macht, stellt die Gruppe diese Frage. Wenn jemand ein Detail hinzufügt, wenn der Abschnitt frei erzählt wird, stellt die Gruppe diese Frage. Diese Frage zwingt alle dazu, die vorliegende Passage im Blick zu behalten und darauf basierend ihre Einsichten und Gehorsamsschritte zu erklären. Der Moderator entwickelt die Gruppen-Korrektur. Er leitet auch dazu an, sich auf den vorliegenden Abschnitt zu konzentrieren.

Die Priesterschaft des Gläubigen.
Neue Gläubige und Noch-Nicht-Gläubige müssen verstehen, dass es zwischen ihnen und Christus keinen Mittler gibt. Wir müssen eine DNA gründen, die Hürden und Mittler abbaut. Darum muss die Schrift im Zentrum stehen. Darum moderieren Außenstehende mehr als dass sie lehren. Darum wird die Gruppe darin unterwiesen, sich selbst zu korrigieren auf der Grundlage dessen, was die Schrift sagt. Natürlich werden sich Leiter abzeichnen. Sie müssen sich abzeichnen. Das ist normal. Aber Leiterschaft wird gekennzeichnet durch die Aufgaben, die eine Rolle definiert. Leiter sind keine Sonderklasse mit einem geistlichen oder besonderen Status. Wenn überhaupt, werden Leiter stärker zur Verantwortung gezogen, aber ihre Verantwortung gibt ihnen keinen besonderen Status. Wenn die DNA der Priesterschaft jedes Gläubigen nicht gegenwärtig ist, wirst du nie eine Gemeinde gründen. Der Jüngerschaftsprozess muss diese DNA einpflanzen.

Wie läuft ein Treffen ab?

Hier ein kurzer Abriss mit den DNA-Elementen in Klammern.

Frage: „Wofür bist du heute dankbar?“ (Gebet / Anbetung)

Frage: „Was hat euch diese Woche belastet? Was ist notwendig, um die Lage zu verbessern?“ (Fürbitte)

Frage: „Was sind die Bedürfnisse der Leute unseres Umfeldes? (Dienst)

Frage: „Wie können wir uns gegenseitig in den Nöten helfen?“ (Dienst)

Frage: „Worüber haben wir letzte Woche gesprochen?“ (Rechenschaft / Verantwortung)

Frage: „Hast du etwas in deinem Leben verändert aufgrund der Erkenntnisse der letzten Woche?“ (Verantwortung, Gehorsam)

Frage: „Hattest du die Gelegenheit, den Abschnitt So-und-So mitzuteilen?“ (Verantwortung, Anbetung)

Frage: „Wir haben letztes Mal einige Nöte festgestellt und uns vorgenommen, ihnen zu begegnen. Wie ist es gelaufen?“ (Verantwortung, Anbetung)

Aussage: „Mal sehen, was die Bibel uns diese Woche aufzeigt. Wir lesen den Abschnitt.“ (Schrift)

Bitte darum, dass jemand den Abschnitt in eigenen Worten wiederholt. Als ob er ihn einem Freund erzählen würde, der nicht da war. (Verantwortung, Evangelisation)

Frage die Gruppe: „Seid ihr mit der Wiederholung einverstanden? Gibt es etwas, dass er hinzugefügt oder ausgelassen hat?“ Wenn die Gruppe kein Schlüsselelement vermisst, fahre fort. Wenn sie etwas vermissen, lies den Abschnitt noch mal. Wenn jemand etwas sagt, das nicht in der Passage steht, frage „Wo findest du das in diesem Abschnitt?“. Lies wenn notwendig, noch einmal. (Priesterschaft des Gläubigen, Gruppen-Korrektur)

Frage: „Was lehrt uns diese Passage über Gott?“ (Entdeckung, Schrift, Priesterschaft des Gläubigen)

Frage: „Was lehrt uns dieser Abschnitt über die Menschheit?“ (Entdeckung, Schrift, Priesterschaft des Gläubigen)

Frage: „Wenn wir glauben, dass dieser Abschnitt von Gott kommt, wie müssen wir uns verändern?“ (Entdeckung, Schrift, Gehorsam, Priesterschaft des Gläubigen)

Frage: „Wem möchtest du diesen Abschnitt vor dem nächsten Treffen mitteilen?“ (Evangelisation, Multiplikation)

Frage: „Wann möchtet ihr euch das nächste Mal treffen?“

Das ist eine praktische Frage. Du wirst niemanden finden, der sich auf einen 26-wöchigen Kurs festlegt. Aber so kannst du ihnen die Möglichkeit geben, sich nächste Woche wieder zu treffen. Wenn sie wirklich suchend sind und die Treffen ein Bedürfnis stillen, werden sie sich wieder treffen wollen. Du kannst hier (LINK) eine Liste von Bibel-Passagen finden, die wir verwenden um Verlorenen zu helfen, eine Beziehung mit Christus zu beginnen

Mit Gruppen Jünger machen

Wir verwenden das obige Muster um unsere Leiter zu schulen – in Gruppen. Wir wählen dazu Abschnitte aus der Bibel aus, die das gewünschte (oder unerwünschte) Verhalten von Leitern ansprechen und Dinge, die sie tun oder nicht tun sollten als Leiter. Wenn wir Leiter schulen, bitten wir sie, zu dem Abschnitt ein dreispaltiges Studienblatt auszufüllen – entweder als Gruppe oder als Hausaufgabe vor dem Treffen.

Abriss des dreispaltigen Studienblatts: Teile ein Blatt Papier im Querformat in drei Spalten auf. Die erste heißt „Schrift“, die zweite „Meine eigenen Worte“, die dritte „Ich will“

Schrift

Die Länge des gewählten Abschnitts bestimmt, wie lange das Studium dauert. Längere Passagen brauchen mehr Zeit. Das ist an sich nicht schlecht, du musst das nur im Hinterkopf behalten. Halte deine Abschnitte im Allgemeinen auf 10-15 Verse beschränkt. Schreibe in die „Schrift“-Spalte den Abschnitt Wort für Wort. Das braucht seine Zeit, aber du kannst die Zeit beeinflussen, indem du kleinere Abschnitte auswählst. Teile längere Passagen in mehrere Abschnitte und verteile diese über mehrere Tage. Was jedoch am wichtigsten ist: Wenn du einen Abschnitt Wort für Wort abschreibst, liest du ihn mehrmals durch (etwa fünf bis sieben Mal). Das ist eine Form der erzwungenen Betrachtung für die unter uns, die sich nicht hinsetzten können und über einen Abschnitt nachdenken können ohne den Faden zu verlieren. Dieser Prozess hält uns außerdem davon ab, bekannte Passagen nur zu überfliegen. Wenn du etwas aufschreibst, musst du über jedes Wort nachdenken.

Meine eigenen Worte

Wenn du damit fertig bist, die Verse abzuschreiben, formuliere in der zweiten Spalte den Inhalt mit eigenen Worten. Schreibe so, als würdest du ihn einem Freund bei einer Tasse Kaffee erzählen. Fahre nicht fort, bis du die Verse in eigenen Worten umschreiben kannst. Du kannst etwas nicht verstehen, wenn du es nicht jemandem in eigenen Worten wiedergeben kannst. Und du kannst der Schrift nicht gehorsam sein, wenn du sie nicht verstehst. So einfach ist das. Manchmal musst du eine Pause von mehreren Tagen einlegen und mit dem Heiligen Geist sprechen, bis du eine Formulierung in eigenen Worten findest. Wenn du mit diesem Prozess beginnst, findest du vermutlich heraus, dass es mehrere ähnliche Passagen gibt, die du nicht mit eigenen Worten wiedergeben kannst. Manchmal „wissen“ wir mehr als wir wirklich verstehen.

Ich will

In der dritten Spalte gehen wir von der Kenntnis des Wortes Gottes über zum Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes. Sieh dir jeden Teil der Passage an. Bitte Gott darum, dir zu zeigen, was du in deinem Leben ergänzen, wegnehmen oder verändern musst, um diesen Versen zu gehorchen. Sei genau, nenne die Dinge beim Namen. Der Abschnitt drückt vielleicht aus, dass Gott die Erde erschuf und du musst entscheiden, was das für dein Leben bedeutet. Wie verändert die Tatsache unser Leben, dass Gott die Welt erschuf? Was musst du ändern? Was kannst du in den nächsten 24 Stunden tun, um diesen Versen zu gehorchen? Jedes Mal, wenn wir Gottes Wort öffnen, lädt er uns zu einer Beziehung ein. Wir nennen diese Einladung „Gnade“, weil wir nichts tun können, um sie zu verdienen. Gehorsam drückt aus, ob wir die Einladung annehmen. Gott ist mit denen, die seinem Wort gehorchen (Johannes14,23-24). Wenn wir Gottes Wort studieren, stehen wir vor einer Wahl: Entweder wir entscheiden uns, ihm zu gehorchen oder wir entscheiden uns, ungehorsam zu sein. Es ist wirklich so einfach. Diese dritte Spalte ist unsere Antwort auf Gottes Einladung.

Leiter bitten wir außerdem, die folgenden Fragen an einen Abschnitt zu stellen:

Gibt es Sünde, die ich vermeiden sollte?
Gibt es ein Versprechen, ein Gebet oder ein Lob in diesem Abschnitt?
Gibt es ein Beispiel, dem ich folgen bzw. nicht folgen sollte?
Gibt es einen Befehl, dem ich gehorchen sollte?
Gibt es Wissen, das ich mir merken muss?

Weil unsere Leiter zu Jesus gekommen sind mit einer bei dem Entdecker-Studium geformten DNA, gehen sie leicht dazu über, diesem Muster zu folgen während sie zu Leitern ausgebildet werden. Außerdem verwenden sie natürlicherweise dieses Muster um andere Menschen anzuleiten und geben eine gute DNA weiter. Das nennen wir Fraktal-Jüngerschaft. Du kannst hier (LINK) mehr über die Fraktal-Jüngerschaft lesen.

Online Gruppen

Ich wende den Gruppenprozess an, um on- und offline Leiter heranzubilden. Die Offline-Vorgehensweise ist relativ offensichtlich. Die Online-Arbeit vielleicht nicht auf den ersten Blick.

Skype oder Handy. Ich benutze Skype um Leiter auf der ganzen Welt zu schulen. Da der oben beschriebene Gruppen-Prozess keiner besonderen Unterlagen bedarf und durch Fragen gesteuert wird, funktioniert das wunderbar über Skype. Wenn du mit Christen arbeitest, müssen sie im Voraus die Verse mit der Drei-Spalten-Methode studieren. Dann kannst du das Entdecker-Bibel-Studium für Gläubige anwenden. Wenn du dich mit Verlorenen trifft, verwende einfach den Methodik des Entdecker-Bibel-Studiums mit den Abschnitten über „Entdecke Gott“.

Tokbox oder ooVoo. Wenn du Video vorziehst, wende einfach die oben beschriebene Vorgehensweise an über TokBox oder ooVoo.

Wie könnte das unter Studenten funktionieren?

Ich würde das Entdecker-Bibel-Studium und die Drei-Spalten-Methode mit meinen gläubigen Leitern sofort umsetzen. Und gleichzeitig würde ich unter verlorenen Menschen innerhalb ihres Bekanntenkreises eher die Entdecke-Gott-Gruppen beginnen als sie in bestehende Bibelstudium-Gruppen unter Gläubigen einzuführen. Wenn ich eine Schule hätte mit vorwiegend Pendlern, würde ich technische Mittel einsetzen, um mich mit meinem Team wöchentlich zu treffen und persönliche Treffen jede zweite Woche oder einmal im Monat.

Immer wieder stelle ich mir gerne Szenarien vor, die mich dazu bringen, mir Strategien und Taktiken in neuen Umständen auszudenken. Das ist die neunte von 21 Teilen einer Serie, in der es darum geht, mit on- und offline-Methoden die Gemeindegründungs-Bewegung  an Universitäten umzusetzen. Der Inhalts dieses Artikels stammt von dem, was  ich von David Watson gelernt habe. Ich wende sie da an, wo Gott mir etwas aufträgt. Ich möchte dich dazu ermutigen Davids blog (LINK) zu lesen.

2 Antworten auf „Kleingruppen mit der DNA für eine Gemeindegründungsbewegung

  1. Ich will mich herzlich bedanken für diese ausführliche Zusammenfassung des DBS-Ansatzes. Ich habe eine Frage: Gibt es diesen Text auch als PDF-Dokument? Ich bin Gemeindegründer in Albanien und ich bin bestrebt eine passende Methode zu finden, die wir umsetzen. DBS gehört zu den Dingen, die wir auch schon praktiziert haben. Müssen uns da aber noch verbessern.

    1. Lieber Danny,
      dieser Beitrag ist einer Sammlung von Artikeln von David und Paul Watson zu Gemeindegründungsbewegungen entnommen, die unter dem Titel „Gemeindegründungsbewegungen – eine Momentaufnahme“ von Mitarbeitern der DIM ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht worden sind. Du findest diese Sammlung zum Download in einem gleichnamigen Post auf diesem Blog. Ich kann Dir auch noch per Mail eine Übersicht über das Entdeckerbibelstudium zusenden nach der 3/3-Idee, wie wir es adaptiert haben und benutzen, wenn es Dich interessiert.

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